23. Dezember

Allerlei Brauchtum rund um die Weihnachtszeit

Die Rauhnächte

'Rauhnacht san vier, zwoa foast und zwoa dürr' sagt ein altes Sprichwort und benennt die Thomas- und die Silvesternacht als die mageren, die Weihnachts- und die Dreikönigsnacht als die 'foasten'.

In der Rauhnacht geht das Familienoberhaupt mit einigen oder allen Familienmitgliedern durch alle Räume des Hauses, auch durch Wirtschaftsgebäude, falls solche vorhanden sind. Dabei wird mit Weihrauch 'geräuchert', wobei Gebete gesprochen werden, fallweise wird auch Weihwasser gesprengt. Was früher dem Vertreiben von Hexen und Dämonen gedient haben soll, möge nun den Segen Gottes bewirken.

Aus unserer heutigen Sicht haben die Menschen von früher eigenartige Ängste mit sich getragen, wie man folgendem alten Lexikoneintrag entnehmen kann:

'Gewöhnlich aber begeht man in dieser Zeit vier Rauhnächte: am Vorabend zu St. Thomas (21.12), Weihnachten, Silvester und Dreikönigen.

An diesen Abenden durchräuchert ein Priester oder der Hausherr oder die Hausfrau nach dem Abendläuten alle Räume des Hauses und die Ställe mit geweihten Kräutern oder Weihrauch und besprengt sie mit Weihwasser. Dazu werden Gebete gesprochen, um Hexen und böse Geister zu vertreiben. Nach dem Räuchern darf die Stalltür nicht mehr geöffnet werden.

Mit dem dabei benutzten Weihrauch wird Liebes- und sonstiger Zauber getrieben. Man muß sich in den Rauhnächten vor allem möglichen Zauber hüten. Man soll nicht dreschen, sonst verdirbt das Getreide, so weit man den Schall hört. Man muß in einen Kübel husten und die Kinder auf Decken wiegen. Man soll nicht aus einem unverdeckten Brunnen trinken, der Vater darf nicht von der Seite des Kindes weichen, damit es nicht zur Wasserbutte werde.

Das Vieh redet vernünftig zusammen, aber nur Quatemberkinder hören es. Ein Mädchen, das vor den Rauhnächten ihren Wickel nicht abgenommen hat, kommt das Jahr nicht zum Heiraten oder kriegt einen bärtigen Mann oder stirbt oder die Berchta kommt. In der Rauhnacht kann man sich auch den Teufel dienstbar machen.'

Bei den Germanen galten die Raunächte,  die zwölf Nächte vom 25. Dezember bis zum 6. Januar,  als heilig.  Der Name birgt zweierlei Bedeutungen: Das Wort "rau" wird mit "wild, haarig, mit Fell bekleidet" assoziiert und weist auf die dämonischen Gestalten, die man in diesen Nächten zu sehen glaubte. Der Begriff "Rauch" weist auf das überlieferte Mittel, mit dem man diesen Dämonen den Garaus machte: man räucherte sie aus.

Hexen und böse Geister sollten in dieser Zeit verjagt werden, indem man lärmende Umzüge veranstaltete.

In vorchristlicher Zeit herrschte in diesen Tagen der Julfriede: alle Waffen ruhten und persönliche Streitigkeiten wurden in aller Öffentlichkeit beigelegt. Der Brauch der Waffenruhe hat sich bis in unsere Zeit hinein erhalten.

Auch die Arbeit der Hausfrau hatte in dieser Zeit zu ruhen. Aus diesem Grunde wurden spezielle große Brote und Früchtekuchen gebacken, die sich über die Rauhnächte hinweg hielten.

Mistelzweig

Die gemeine Mistel (eine schmarotzende Pflanze) galt schon bei den Römern als Symbol des Lebens und Überlebens, weil die Pflanze auch im Winter ihre grünen Blätter behält. Es gibt div. Arten wie die Laubholzmistel mit weißen Beeren, die Eichenmistel trägt gelbe Früchte, wirft aber im Winter ihre Blätter ab, Föhrenmistel und die Tannenmistel, welche auch weiße Beeren trägt. Misteln erreichen ein Alter von 70 Jahren. Ein Baum kann viele Jahrzehnte mistelbewachsen leben bevor er durch Aussaugung abstirbt. Misteln sind mit Mispeln (=Obstgehölz) nicht verwandt.

MISTEL ALS GLÜCKSBRINGER:

Wer in der Weihnachtszeit durch einen Mistelzweig hindurch schreitet (heute hängt man dafür Mistelzweige über Türstöcke in Zimmern) darf sich nicht wundern, wenn er plötzlich von jemand geküsst wird! Dieses stammt aus einem Angelsächsischen Brauch und soll ausserdem Glück im neuen Jahr bringen.

Krippen

Ursprung und Geschichte der Krippen

Bereits im 4. Jahrhundert finden sich in Italien bildliche Darstellungen der Geburt Christi. Der genaue Ursprung der Krippe ist aber nicht sicher zu bestimmen, sondern das Produkt einer langen Entwicklung.

Wie aber urkundlich belegt ist, sind schon in altchristlicher Zeit am Weihnachtstag in den Kirchen religiöse Schaustellungen zu sehen gewesen, welche ab dem 10. Jh. immer mehr volkstümlichen Charakter annahmen und sich allmählich über ganz Europa verbreiteten. Die ältesten bekannten Weihnachtsspiele im bayerischen Raum sind das sog. 'Freisinger Spiel' aus dem 11. bis 12. Jh. und der 'Ludus szenicus de native Domini' aus Benediktbeuren vom 13. Jh. In diesen kirchlichen Weihnachtsspielen liegen wohl die Anfänge der Krippengeschichte. Während wir uns bei unseren Krippendarstellungen aber meist auf die Geburt Jesu beschränken, wurde damals das gesamte Leben und Leiden Christi dargestellt; das Tod, das Grab, die Auferstehung und die Himmelfahrt bis hin zu Pfingsten.

Gegen Ende des 13. Jh. versuchte man dann, diese Weihnachts -und Passionsspiele das ganze Jahr über festzuhalten, in Gestalt einzelner Figuren.

Oftmals wird aber auch der Hl. Franziskus von Assisi als 'Vater der Krippe' angesehen, da er im Jahre 1223 an Weihnachten im Walde von Rieti die erste Weihnachtskrippe in der uns bekannten Form baute. Mit Erlaubnis seines Papstes zog er damals aus dem Kloster von Greccio aus, errichtete im Wald in einer Höhle eine Futterkrippe mit lebendigem Ochs und Esel und hielt dann vor einer großen Menschenmenge seine berühmte Weihnachtspredigt, 'um den des Lesens nicht mächtigen die Weihnachtsgeschichte besser verständlich zu machen'.

Als Vorläufer der Krippe werden aber auch die gotischen Schnitzaltäre mit Darstellungen der Geburt Christi angeführt, jedoch konnten die einzelnen weihnachtlichen Szenen nicht aus dem Altar entfernt werden. Ein solcher Altar mit einer Dreikönigsgruppe aus gefaßten Holzfiguren steht z.B. in der Kirche von St. Wolfgang im Salzkammergut, Österreich, geschaffen von Michael Pacher (1480).

Erste sichere Nachrichten von Kirchenkrippen stammen aus Süddeutschland, wo zuerst die Jesuiten den großen Wert der Krippe als Andachtsgegenstand und als Mittel zur religiösen Unterweisung erkannten. Ihrer Förderung verdanken wir noch vor 1600 die Verbreitung der Krippen in den Kirchen des gesamten katholischen Europas. Nach diesen Forschungsergebnissen ist die Krippe im weitesten Sinn eine deutsche Schöpfung, welche von hier aus ihren Weg in alle Welt gefunden hat. Die älteste heute noch vorhandene Kirchenkrippe Deutschlands ist die Domkrippe in Augsburg aus dem Jahre 1590.

Ihre Blütezeit erlebte die Krippenkunst aber im 18. Jh. Sowohl in den Schloß- und Kirchenkrippen als auch in den Krippen des einfachen Volkes begann man, die Weihnachtsgeschichte auszuweiten und sie mit unzähligen Stationen zu ergänzen. Die berühmteste dieser Jahreskrippen ist die 'Salonkrippe' im Brixener Museum mit 4000 Figuren, geschaffen von Augustin Probst und dessen Halbbruder Joseph Probst (1758-1807, 1773-1861). Berühmte Künstler waren in der Krippenbewegung tätig. So hat z.B. Ignaz Günther im Jahre 1774 für das Kloster Ettal zwei Krippen gefertigt, die aber leider verloren gingen. Ende des 18. Jh. kam die Zeit der Aufklärung. Besonders erschreckend wirkte sich die damit verbundene Säkularisation in Bayern aus, wodurch die Kirchenkrippen fast vollständig verschwanden. So manche Kirchenkrippe ist dadurch gerettet worden, indem sie Aufnahme in Privathäusern fand. Besonders in der bäuerlichen Bevölkerung wuchs das Interesse an der Krippe. Man schnitzte die Figuren selbst. Bis in die Mitte des 19. Jh. bevorzugte man ausschließlich die heimische Gebirgslandschaft; ab der zweiten Hälfte des 19. Jh. kam die orientalische Krippe zur Geltung.

Um die Jahrhundertwende hat dann plötzlich das Interesse an Krippenkunst stark nachgelassen. Wären nicht überall Sammler gewesen, vieles wäre unwiederbringlich verlorengegangen. Der Münchner Max Schmederer reiste überall umher und erwarb Krippen, die er der Nachwelt in der größten Krippensammlung der Welt, im Münchner Nationalmuseum, hinterließ. Als er 1917 verstarb, war das Krippenverständnis wieder geweckt. Es wurden Krippenvereine gegründet. Die große Münchner Krippenausstellung 1927 hat innerhalb von 2 Monaten 40.000 Menschen an angelockt und begeistert. Die Krippe hatte wieder neues Ansehen gewonnen!

Die Texte wurden mir von Ruspy aus dem Jazzfan-Forum zur Verfügung gestellt.
Herzlichen Dank dafür!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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